Klassentreffen



Ich hatte mir reiflich überlegt, ob ich überhaupt zu meinem 10 jährigen Klassentreffen gehen sollte,
zunächst war ich mir sicher, es lieber nicht zu tun.
Dann jedoch wurde ich neugierig, und so entschloss ich mich, doch kurz mal "vorbeizuschauen".
So ein Klassentreffen ist schon ein Phänomen für sich:
Es liegt eine gewisse Nervösität in der Luft, denn wer weiß schon, ob der Freund von damals inzwischen
ein echtes Arschloch geworden ist. Zudem könnte ja jeder Zeit noch Jemand durch die Tür kommen,
den man lieber nicht mehr begegnen möchte, zum Beispiel ein Rivale aus alten Tagen.
Ein einfacher Trick um Schlimmstes abzuwehren ist die "Ich komme nicht alleine" Taktik.
In meinem Fall hatte ich echtes Glück, denn meine Begleitung war nicht nur mit mir in einer Klasse,
sondern war damals meine beste Freundin. So fiel es mir nicht schwer einen guten Einstieg in den
Abend zu finden, und nebenbei bemerkt, war das Treffen dieser Freundin schon die Reise
in die Vergangenheit wert. Nach einem netten Essen waren wir bereit die Anderen aus
unser damaligen Klasse zu treffen.
"Und was machst du so?"; "Weißt du was der Klaus macht?"; "Wo wohnst du jetzt?"
waren die drei häufigsten Fragen des Abends.
Viele der Menschen, die ich dort sah kannte ich gar nicht, oder zumindest war ich der
festen Überzeugung, das ich sie nicht kannte. Nachdem ich aber eine sehr nette Frau kennenlernte,
die mich widerrum zu kennen schien, konnte ich den Rest des Abends entspannt verbringen,
da sie zu jedem Gesicht den passenden Namen parat hatte.
Nur wenige Menschen erkannte ich an diesem Abend direkt wieder, bei Wenigen von ihnen war ich erstaunt.
Eine Frau hatte eine sensationelle Wendung genommen.
Während ich sie in der Schule für ein absolutes Miststück gehalten hatte, musste ich doch meine Meinung
über sie völlig revidieren. Tatsächlich kommt es also vor, das Menschen sich ändern.
Oft wird gesagt es sei Normal, man wird Reifer mit der Zeit.
Ich bin jedoch der Meinung, das Grundverhaltensweisen sich nicht so schnell ablegen lassen.
Wie dem auch sei, an diesem Abend wurde ich eines Besseren belehrt, und war wirklich erfreut über diese
überaus sympathische Frau, die mir gegenübersaß, und mit der man sich gut unterhalten konnte.
Natürlich gab es immer noch die "coolen Checker",welche mich immer noch mit dem Arsch nicht anguckten,
und ich war hocherfreut als meine ehemals beste Freundin zu mir sagte:
"Ich hab mir vorgenommen nur mit denen zu reden, mit denen ich auch damals Kontakt hatte."
Etwas engstirnig vielleicht, aber Prinzipientreu, das lob ich mir. Wobei wir Beide an diesem Abend
diesen Grundsatz nicht zu wörtlich nahmen, und auch mit Menschen jenseits der Cliquengrenzen sprachen.
Bedauerlicherweise waren drei enge Freunde aus meiner Schulzeit an diesem Abend nicht da, was ich
wirklich sehr bedauere, da ich sie sehr gerne wiedergesehen hätte. Sie sind hiermit gegrüßt,
und aufgefordert Kontakt mit mir aufzunehmen. Dennoch war es ein sehr schöner Abend, wenn mir auch
weniger Wein besser getan hätte.
Das Fazit aus dem Abend ist wohl die Feststellung, das Menschen sich verändern:
Einige von ihnen nur äußerlich, andere scheinen in ihrem Leben eine echte Metamorphose durchzumachen.
Beides ist zu respektieren.
Ich persönlich fühle mich unverändert. Natürlich bin ich gealtert,ansonsten aber immer noch der alte Pessimist.