Der Geist der Weihnacht



Nie würde ich schlecht über Weihnachten sprechen, schließlich ist Weihnachten das Fest der Liebe,
aber manchmal denke ich doch wie surreal Weihnachten geworden ist.
Nicht wegen der Kommerzialisierung, die gibt es schon so lange wie es den Weihnachtsmann gibt,
der ja letztendlich auch nur eine Erfindung eines Marketingstrategen bei Coca-Cola war.
Surreal ist Weihnachten vor allem durch unser eigenes Verhalten.
Wir alle sind zur Weihnachtszeit etwas gnädiger, rücksichtsvoller, festlicher.
Da bekommt der Penner an der Ecke auch mal zwei Euro in den Becher geworfen,
und klar geben wir gerne eine großzüge Spende in den Klingelbeutel der Kirche, in der wir
genau ein Jahr nicht mehr waren.
Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen mich nicht von "O du fröhliche" einlullen zu lassen,
und Weihnachten so objektiv wie möglich wahrzunehmen.
Ich muß sagen es funktioniert ganz vorzüglich. Das wahre Gesicht der Weihnacht kommt zum Vorschein.
Ein Gesicht, was mir zeigt, das 90% aller guten Taten im Monat Dezember nichts weiter
sind als die Entschuldigung für die verpatzten 11 Monate zuvor. Ein modernes Schweigegeld.
Zu dem schlechten Gewissen gesellt sich die Gewohnheit etwas immer schon so gemacht zu haben:
So wie Weihnachten immer in die Kirche gegangen wird, es ist ein ungeschriebenes Gesetz.
Ich werde mich dem Gesetz auch dieses Jahr widersetzen, ich habe keine Lust in der letzten Reihe
irgendeiner Kirche zu sitzen, "O du fröhliche" zu summen, und so zu tun als wäre ich feierlich gestimmt.
Nicht das ich es nicht jedem Einzelnen gönnen würde genau dies zu tun,
aber für mich kommt es nicht in Frage.
Vieles an Weihnachten kommt mir so funktional vor.
Wir brauchen einen Baum, Geschenke, ein spezielles Essen.
An Weihnachten scheint es ein Pflichtprogramm zu geben.
Das alles ist mit dem Ziel gekoppelt ein perfektes Fest zu produzieren, das nie unserem Anspruch
gerecht werden wird. Es ist unser Streben nach Harmonie, nach unendlichem Glück,
was uns selbst soviel Stress zu Weihnachten beschert.
Dabei ist das Rezept für ein schönes Weihnachtsfest für mich ganz einfach:
Zusammensein, ein bischen Quatschen, Spaß haben.
Nichts gegen den Baum, oder das tolle Essen, aber nur, wenn es nicht einen zwanghaften
StressMarathon bedeutet.
Denn letztendlich geht es bei Weihnachten darum zur Ruhe zu kommen, sich zu besinnen,
zur Not auch mit "O du fröhliche".